2010

Wetterrückblick für 2010

War das Jahr 2010 zu kalt?
Ein Frage, die nach einem kalten und teils schneereichen Winter 2009/10, nach dem Vulkanausbruch in Island im April, nach einem stellenweise trüben und verregneten Sommer und einem kalten Start in den Winter 2010/11 durchaus ihre Berechtigung hat. Gemittelt über die Tal- und Beckenlagen lag die Jahresmitteltemperatur 2010 von Österreich um plus 0.2 °C über dem Mittel 1971-2000. In den Bergregionen etwa über 1500 Meter Seehöhe zeigt sich mit einer mittleren Abweichung von minus 0,5 °C jedoch ein anders Bild. Nach den sehr warmen Jahren 2007 bis 2009 ist das Jahr 2010 in den Niederungen jedoch das kälteste seit 2005 und auf den Bergen gemeinsam mit 1996 das kälteste seit 1985.

Niederschlagsschwerpunkt wieder im Nordosten
Auch im Jahr 2010 lag der Niederschlagsschwerpunkt, wie schon im Vorjahr, im Nordosten des Bundesgebietes. In sieben der zwölf Monate lag hier die relative monatliche Niederschlagsabweichung zum Teil deutlich über den vieljährigen Mittelwerten. Zum zweiten Mal in Folge erlangte der Weinbauort Langenlois (NÖ) mit 160 % (2010: 722 mm) der mittleren Jahresniederschlagsmenge Platz Nummer eins der bundesweiten relativen Niederschlagsstatistik. Aber auch in Vorarlberg, im südlichen Kärnten und im Südburgenland lagen die Jahresniederschlagsmengen mit 110 bis 130 % deutlich über dem vieljährigen Mittel.

Sonnenärmstes Jahr seit 1996
Gemittelt über ganz Österreich erreichte die Sonnenscheindauer rund 96 % des vieljährigen Mittels. Auf den ersten Blick scheint es, dass die gesamte jährliche Sonnenausbeute nur leicht unterdurchschnittlich ausfiel. Durch den markanten Anstieg der jährlichen Sonnenscheindauer seit Mitte der Achtzigerjahre fällt das Jahr 2010 aber unter das Sonnenärmste seit 1996. Einige Orte schafften aber immerhin ein leichtes Plus von ein bis vier Prozent zu den klimatologischen Mittelwerten.

Viel Schnee abseits der alpinen Regionen
Die aufsummierten Neuschneehöhen übertrafen im Jahr 2010 abseits der Hoch- und Inneralpinen Regionen weitgehend die vieljährigen Mittelwerte. Südlich der Linie Lienz - Wiener Neustadt und nördlich der Linie Wiener Neustadt – Mondsee erreichten die Neuschneemengen etwa 130-190 % der mittleren Neuschneesummen. An manchen Orten, wie z.B. Retz (NÖ) fiel nahezu die dreifache der sonst üblichen Neuschneemengen und die Schneedecke hielt sich hier mit 78 Tagen im Jahr 2010 etwa 2,5 mal so lange wie im Mittel. Besonders wenig Schnee in Relations zu den Mittelwerten fiel im Oberen Inntal und am Arlberg. Hier summierten sich nur etwa 50 – 70 % der durchschnittlichen Neuschneemengen. In Landeck schneite es mit nur 50 % (Mittel 1971-2000: 107 cm) der üblichen Neuschneemenge und 20 % (2010: 57 Tage) weniger Schneedeckentage relativ selten zu Gast.

Detaillierter Zusammenfassung Im Großteil ausgeglichene Temperaturen
Ein detaillierterer Blick auf die Temperaturverteilung Österreichs zeigt, dass im Vergleich zum klimatologischen Mittel 1971-2000, die Jahresmitteltemperatur 2010 von Vorarlberg, über Nordtirol, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich bis in das Burgenland nahezu ausgeglichen ist. Die Abweichungen bewegen sich hier zwischen minus/plus 0,3 °C. Punktuell wurden in diesen Regionen noch etwas höhere negativen Abweichungen registriert, wie z.B. in Mariazell (St) mit -0,5 °C (Jahresmittel 2010: 5,6 °C) oder der Stadt Salzburg mit -0,4 °C (Jahresmittel 2010: 8,7 °C). Die größten negativen Abweichungen zum vieljährigen Mittel wurden jedoch in den hochalpinen Regionen mit bis zu -0,8 °C in Obergurgl (Jahresmittel 2010: 1,4 °C) erreicht. Die abgesehen von Bergstationen absolut kälteste Temperatur wurde am 27.1. mit -27,6 °C in Gars am Kamp (NÖ) erreicht. Der im Jahresmittel absolut kälteste bewohnte Ort des Bundesgebietes ist mit 3,0 °C St. Jakob/Defereggen (T). Die relativ wärmsten Regionen des Jahres 2010 sind in Osttirol, Kärnten und der Steiermark zu finden. Hier verlief das Jahr 2010 zwischen 0,4 und 0,8 °C wärmer als zum Mittel 1971-2000. Die größte positive Abweichung von 0,8 °C wurde in Lienz (Jahresmittel 2010: 7,8 °C) erreicht. Im Juli, der österreichweit mit +2,6 °C der relativ wärmste Monat des Jahres war, wurden auch die höchsten Temperaturmaxima erreicht. In St. Andrä/Lavanttal (K) erreichte die Temperatur am 22.7. den absoluten Jahreshöchstwert von 37,2 °C. Der Monat Juli war in Graz mit einem Mittel von 22,4 °C auch der wärmste seit Beginn der Messungen im Jahre 1837.

Niederschlagsmengen ausgeglichen bis deutlich übernormal
Im Wald-, Wein-, und Industrieviertel, Wien und Burgenland fiel 30 bis 60 % mehr Jahresniederschlag als es hier durch das vieljährige Mittel zu erwarten ist. Aber auch im Drau- und Gailtal, sowie in Vorarlberg summierte sich im Jahr 2010 um 10 bis 30 % mehr Niederschlag. Wie schon im Vorjahr kam in Langenlois mit 160 % (2010: 722 mm) die relativ größte Regenmenge Österreichs zusammen. Ausschlaggeben für die großen positiven Abweichungen in Ostösterreich waren vor allem die Monate April bis September, in denen im Vergleich zum vieljährigen Mittel durchgehend um 30 – 160 % zu viel Niederschlag fiel. Die größte absolute Jahresniederschlagsmenge summierte sich am Loiblpass (K) mit 2240 mm. In Tirol, Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark und Teilen Kärntens fielen den vieljährigen Mittelwerten entsprechende Jahresmengen. Nur in einigen inneralpinen Regionen, wie z.B. im Lungau oder Bad Gastein und im Flachgau blieben die Niederschlagsmengen um 10-20 % hinter den Erwartungen zurück. Der relativ niederschlagsärmste Ort des Jahres 2010 war mit nur 78 % (646 mm) der mittleren Jahresniederschläge St. Michael im Lungau (S). In absoluten Zahlen ausgedrückt ist Mariapfarr mit 620 mm sogar noch hinter den sonst trockenen Weinbauregionen des Weinviertels zurück.

Leicht unterdurchschnittliche Sonnenscheinstatistik
Seit 1996 wurde Österreich nicht mehr so wenig von der Sonne verwöhnt wie 2010 (minus 3 %). Seit dem Jahr 2000 wurde in keinem Jahr das vieljährige Österreichmittel mehr unterschritten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Jahr 2010 als besonders trüb und kalt empfunden wurde. Besonders wenig Sonne im Vergleich zum Mittel 1971-2000 schien in Bad Aussee mit nur 86 % (1418 h). Die höchste relative Sonnenausbeute wurde im Jahr 2010 in Feldkirch (V) mit einem Plus von 5 % (1800 h) zum Mittel erreicht. Am absolut längsten konnte man die Sonne in Kärnten auf der Kanzelhöhe (2072 h) genießen.